{"id":2875,"date":"2026-06-21T17:39:51","date_gmt":"2026-06-21T15:39:51","guid":{"rendered":"https:\/\/fabianewert.com\/de\/?page_id=2875"},"modified":"2026-07-08T20:18:16","modified_gmt":"2026-07-08T18:18:16","slug":"kunstkritik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/fabianewert.com\/de\/kunstkritik\/","title":{"rendered":"Kunstkritik"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-container-core-group-is-layout-4b1326a1 wp-block-group-is-layout-constrained\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--60);padding-left:var(--wp--preset--spacing--60)\">\n<h3 class=\"wp-block-heading has-pale-cyan-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-1\"><strong>Fabian Ewert. Wandskulpturen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong><a href=\"http:\/\/peterlodermeyer.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Dr. Peter Lodermeyer<\/a><\/strong><\/em> (2021)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Holz ist der Werkstoff, mit dem der K\u00fcnstler Fabian Ewert ausschlie\u00dflich arbeitet \u2013 mehr noch: die spezifische Material\u00e4sthetik des Holzes ist f\u00fcr ihn der eigentliche Grund daf\u00fcr, \u00fcberhaupt K\u00fcnstler geworden zu sein. Als gelernter Schreiner hat Ewert viel Erfahrung mit der Bearbeitung von Holz gesammelt und verf\u00fcgt \u00fcber gr\u00fcndliche Kenntnisse des Materials und seiner Eigenschaften. Der recht sp\u00e4te Entschluss, sich mit dezidiert k\u00fcnstlerischem Anspruch auf den Werkstoff Holz einzulassen, hat Ewert nach einer kurzen Phase der Selbstvergewisserung mittels figurativer Skulpturen schon bald zu einer Werkform gef\u00fchrt, die sich f\u00fcr ihn als das ad\u00e4quate Medium erwiesen hat. So sind in den letzten Jahren zahlreiche nichtgegenst\u00e4ndliche, durch eine dynamische Formgebung gepr\u00e4gte Reliefs entstanden, die Ewerts k\u00fcnstlerischen Vorstellungen in idealer Weise entgegenkommen. Er selbst spricht statt von Reliefs lieber von \u201eWandskulpturen\u201c, und in der Tat trifft dieses Wort sehr genau die wesentlichen Charakteristika seiner Kunstform.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ewerts Arbeiten sind im Sinne der Definition Skulpturen, keine Plastiken, denn aus den flachen, mehr oder weniger rechteckig zugeschnittenen Lindenholz-Platten, die ihm als Ausgangsmaterial dienen, nimmt er im Zuge des Arbeitsprozesses nur Material heraus; niemals wird welches hinzugef\u00fcgt oder Teile angest\u00fcckt. Das subtraktive Verfahren des Herausschneidens und -stemmens des Holzes, das Sich-hinein-Arbeiten in die Substanz des widerst\u00e4ndigen Materials, die k\u00f6rperliche Kontaktnahme mit dem Holz selbst, sind entscheidende produktions\u00e4sthetische Punkte in der Kunst von Fabian Ewert. Der Bearbeitungsprozess ist f\u00fcr ihn prim\u00e4r Handarbeit.  Entscheidend f\u00fcr ihn ist dabei, seinem Material keine ihm fremde Formgebung aufzuzwingen; vielmehr sollen die spezifischen Eigenschaften des Holzes selbst herausgearbeitet und in ihrer spezifischen Eigenart betont werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Holz geh\u00f6rt zu den \u00e4ltesten Bildhauermaterialien \u00fcberhaupt. Es hat bis heute nichts von seiner Faszination, seinen Empfindungsqualit\u00e4ten eingeb\u00fc\u00dft. Erstaunlicherweise haben es die f\u00fcr unsere moderne Lebenswelt typischen Materialien \u2013 insbesondere Kunststoffe aller Art \u2013 nicht vermocht, vergleichbare emotionale Bindungen zu erzeugen. Meist werden sie, trotz ihrer allt\u00e4glichen Vertrautheit, bestenfalls als \u00e4sthetisch neutral wahrgenommen, oft genug sogar als banal oder h\u00e4sslich. Kein Wunder, dass viele Plastikprodukte das Aussehen von Stein oder Holz imitieren, um eine Naturanmutung vorzut\u00e4uschen. Holz als lebendige, organische Substanz besitzt unverwechselbare Eigenschaften, die sich sowohl visuell als auch haptisch vermitteln und charakteristische Empfindungen ausl\u00f6sen. Diese besondere Materialanmutung steht im Mittelpunkt der Arbeit von Fabian Ewert. Bewusst w\u00e4hlt er daher als Basismaterial seiner Wandskulpturen Holzst\u00e4mme, die Lebensspuren aufweisen und somit nicht als Nutzholz, zum Beispiel im M\u00f6belbau, in Frage k\u00e4men. Farbunterschiede, Flecken und Verf\u00e4rbungen, Astl\u00f6cher, Risse und Grate, auff\u00e4llige Maserungen \u2013 all das ist Ewert gerade recht, um das charakteristische Aussehen des Holzes zur Geltung zu bringen. Ja, solche Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten im Erscheinungsbild sind f\u00fcr ihn oft gerade der Ausgangspunkt f\u00fcr die Gestaltung seiner Wandskulpturen. Risse und Verf\u00e4rbungen werden nicht kaschiert, sondern herausgestellt, wie man etwa in der Arbeit #2220 sehen kann, wo eine dunkle Stelle des Holzes als Richtungswert aufgenommen und durch das Herausarbeiten einer sich zuspitzenden, in eine \u201eUntertunnelung\u201c m\u00fcndenden Einbuchtung noch betont wird. Ewerts Arbeiten tragen \u00fcbrigens keine Titel, weil dies ihre Betrachtung unn\u00f6tig in eine bestimmte Richtung lenken w\u00fcrde; Jahreszahl und laufende Nummer m\u00fcssen zur Kennzeichnung einer Arbeit gen\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ewerts Entscheidung, speziell Wandskulpturen zu schaffen, ist ausschlaggebend f\u00fcr die Rezeption dieser Werke. Vollplastische Arbeiten, auf Sockeln oder Tischen aufgestellt, sind stets nur lose und zuf\u00e4llig mit dem umgebenden Raum verbunden. Man sieht dabei jeweils nur einen Aspekt ihrer Gestalt, nie das Ganze. Wenn eine Arbeit jedoch an der Wand aufgeh\u00e4ngt wird, stellt sich sogleich ein konkreter Bezug zu ihrem Umgebungsraum her. Die Entscheidung, ein Relief an einer bestimmten Stelle, in einer gewissen H\u00f6he an einer Wand zu platzieren, wo es als Ganzheit wahrgenommen wird, kommt der Akzeptanz des Raumes und seiner Bedingungen, insbesondere der Lichtsituation, gleich. Damit ergibt sich zugleich ein intensiverer Kontakt zum Betrachter. Dies gilt umso mehr, als Ewerts Arbeiten stets dem Rechteckformat angen\u00e4hert sind, was ihnen eine einpr\u00e4gsame, bildhafte Qualit\u00e4t verleiht. Bezeichnenderweise handelt es sich bei den Wandskulpturen ausnahmslos um Hochformate. Dies entspricht dem H\u00f6henwachstum des Baumes \u2013 und in der Tat respektiert Ewert die vertikale Richtung der Holzfasern \u2013, anderseits spiegelt es auch die aufrechte Gestalt des Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bildhafte Aussehen der Wandskulpturen wird durch ihre grafische Grundstruktur noch betont. Sie werden visuell bestimmt durch den Kontrast zwischen den erhabenen Partien einerseits, die mit Acrylfarbe in dunklem Anthrazit sowie eine aufgeraute Oberfl\u00e4chentextur gekennzeichnet sind, und tiefer in das Holz geschnittenen Stellen andererseits, welche die helle Eigenfarbe des Lindenholzes bewahren und nur partiell durch zarte wei\u00dfe Farbspuren akzentuiert sind. Passend zur organischen Beschaffenheit des Materials sind die Formen, die Fabian Ewert seinen Reliefs gibt, lebendig geschwungen. Er zwingt ihr keine exakt geometrischen Linien auf, sondern belebt die Fl\u00e4che durch kurvige Formen, Kringel und B\u00f6gen, die sich zuweilen zu pr\u00e4gnanten Zeichen verdichten oder ein dynamisches Mit- und Gegeneinander verschiedener Linienschw\u00fcnge bewirken. Stets verbleibt die Bewegung der Fl\u00e4chen und Linien immanent im rechteckigen \u201eBild\u201c-Geviert. Das Auge des Betrachters wird in permanenter Bewegung \u00fcber das Relief, \u00fcber Grate und Stege, durch konkav geschwungene T\u00e4ler und Spalten gef\u00fchrt, aber nicht \u00fcber die \u201eBild\u201c-R\u00e4nder hinaus nach au\u00dfen. Diese Zentralisierung der Arbeiten, ihre visuelle Verdichtung, schafft die formale Konzentration, die eine aufmerksame Betrachtung der Werke f\u00f6rdert. Zus\u00e4tzliche Belebung erfahren die Wandskulpturen durch wechselnde Beleuchtung. Je nach Lichteinfall und -intensit\u00e4t samt entsprechender Schattenbildung kommen subtile, aber wirksame Unterschiede im Erscheinungsbild der Arbeiten zustande. Bei aller bildhaft grafischen Qualit\u00e4t gewinnen sie ihre Eigenheit letztlich doch durch ihre skulpturale, k\u00f6rperhafte Pr\u00e4senz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\" style=\"font-size:15px\"><em>Mehr \u00fcber den Autor:<\/em> <a href=\"http:\/\/peterlodermeyer.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">peterlodermeyer.com<\/a><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-content-justification-center is-layout-flex wp-container-core-buttons-is-layout-aec23bef wp-block-buttons-is-layout-flex\" style=\"border-radius:4px\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link wp-element-button\" href=\"https:\/\/fabianewert.com\/de\/wandskulpturen\/\" style=\"border-radius:4px\">Zur\u00fcck zur Galerie<\/a><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fabian Ewert. Wandskulpturen Dr. Peter Lodermeyer (2021) Holz ist der Werkstoff, mit dem der K\u00fcnstler Fabian Ewert ausschlie\u00dflich arbeitet \u2013 mehr noch: die spezifische Material\u00e4sthetik des Holzes ist f\u00fcr ihn der eigentliche Grund daf\u00fcr, \u00fcberhaupt K\u00fcnstler geworden zu sein. 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